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Aus dem wirklichen Leben

Ein Sprechmusiktheater mit konkreter Poesie und viel Musik mit SchauspielerInnen des Zürcher Kulturmarktes, MusikerInnen des Ensemble TaG Winterthur und SchülerInnen der 5. Klasse des Zurlinden Schulhauses.

Konzeption:
Philip Bartels und Simone Keller

Künstlerische Gesamtleitung:
Philip Bartels, Wolfgang Beuschel und Simone Keller

Texte:
Auswahl aus dem Gesamtwerk von Ernst Jandl (Adaption/Dialogisierung von Simone Keller)
Eigene Texte der Schülerinnen und Schüler der 5. Klasse des Schulhaus Zurlinden, Zürich Telefongedichte/Improvisationen

Musik:
Johann Sebastian Bach (1685-1750): Quodlibet aus den Goldbergvariationen, arrangiert für drei Singstimmen, Bassflöte, Bass und Vibraphon
Cathy Berberian (1925-1983): „stripsody“, arrangiert für zwei Stimmen
Max Bruch (1838-1920): aus dem Violinkonzert op.26, arrangiert für Viola solo, Schlagzeug, Klavier und Blasorchester
Friedrich Cerha (∗1926): „keiner schliesslich“, arrangiert für Tenor, Posaune, Vibraphon und Klavier und „etüde in f“ für Chor, Schlagzeug, Flöte, Viola und Klavier
Daniel Fueter (∗1949): aus „Ein Wiener in Amerika“ für Sprecher, Flöte und Klavier: „The flag and what you can do without vowels“, „Sentimental Journey“ und „Calypso“
Daniel Fueter: „Auf dem Land“ für gemischten Chor, Schlagzeug, Schreibmaschine und Klavier
Joseph Horovitz (∗1926): Aus dem Konzert für Euphonium und Blasorchester, auch arrangiert für Altflöte, Viola, Xylophon und Klavier
Ernst Jandl: „Kreuz“ für Flöte solo, eigene Version von Anna-Katharina Graf
Ernst Jandl: „tohuwabohu“ für Beatboxer, Flöte, Viola, Schlagzeug, Toypiano, Klavier, Flaschenchor und Kinderchor
Ernst Kölz (∗1929): aus „Szenen aus dem wirklichen Leben“: „Hörprobe“ für eine Frau und zwei Männer, Schreibmaschine, Xylophon, Fahrradklingel und Klavier
Marguerite Monnot (1903-1961): „Hymne à l’amour“, arrangiert für Melodica, Klavier und Synthesizer
Johann Immanuel Müller (1774-1839): „essen mit aufblick“ (Umtextierung des Beresina- Liedes), arrangiert für drei Singstimmen, Posaune und Klavier
William T. Purdy (1882-1918): „school spirit“ für Blasorchester, arrangiert als „whisper-version“
Jens Rohwer (1914-1994): „Wer nur den lieben langen Tag“ für gemischten Chor und Klavier
„Kishaths Solo“, eigene Version von Kishath Sangarapillai nach „Der Schnitter Tod“ (Deutsches Volkslied aus dem 17. Jahrhundert)
Erik Satie (1866-1925): „lentement“ aus „trois morceaux en forme de poire“, arrangiert für Flöte, Viola, Vibraphon, Klavier und Blasorchester
Johann Hermann Schein (1586-1630): aus „Mitten wir im Leben sind“ für zwei Stimmen, Posaune und präpariertes Klavier
Mogens Schrader (1894-1934): „rekorde“ für Gesang und Klavier (Umtextierung von „i de lyse nætter“)
Franz Schubert (1797-1828): „Wer sich der Einsamkeit ergibt“, arrangiert für zwei Sprecher, Euphonium und Klavier und „Kopfobst“ für gemischten Chor und Klavier (Umtextierung von „Das Leben ist ein Traum“)
(Alle Arrangements von Philip Bartels, teilweise unter Mitwirkung der Schulklasse und der Musikerinnen und Musiker.)

Mitwirkende:
MusikerInnen: Martin Flüge, Schlagzeug; Anna-Katharina Graf, Flöten; Simone Keller, Klavier; Arne Müller, Posaune; David Schneebeli, Viola
SchauspielerInnen: Wolfgang Beuschel, Rahel Keller, Domenico Pecoraio, Anja Schärer, Ernst C. Sigrist, Juliane Trimper
5. Klasse Schulhaus Zurlinden: LehrerIn: Thomas Keller, Karin Sicker; SchülerInnen: Dimen Akyol, Meret Bassand, Martina Bitetta, Alina Dreke, Liza Ebibi, Giovanna Filippi, Maurice Gendre, Serena Greto, Arthur Hayes, Eranda Hisa, Jeroon Jeyaseelan, Asvin Kengatharan, Meri Kim, Kishath Sangarapillai, Marek Shalou, Maša Stefanovic, Aneesh Vignarajah, Anusiya Yogalingasiva
Künstlerische Mitarbeit/Performance: Jelena Savić
Licht: Phil Ziegler
Ton: Dorian Rodis
Produktionsleitung: Sophia Miller und Bruno Renevey

Dauer:
75 min. ohne Pause

Premiere:
14. Mai 2014, Kulturmarkt Zürich
Weitere Vorstellungen im Theater am Gleis, Winterthur

Presseberichte:
→ NZZ, 23. Mai 2014:
„Jandls spielerischer Umgang mit Lauten, Silben, Worten und der Grammatik ist hochansteckend. Im Fall von Dimen, Giovanna, Kishath und ihren Schulkameraden hat die Ansteckung ein Team zu verantworten, das - horribile dictu - nicht pädagogisch geschult ist: die Musiker Simone Keller und Philip Bartels sowie Wolfgang Beuschel vom Kulturmarkt. Einmal mit dem Jandlschen Virus infiziert, haben die Kinder während zehn Wochen mit der Sprache experimentiert, die Ohren für die Geräusche des Alltags gespitzt, selbst geschrieben und gedichtet und so Teile des Theaterstücks mitgeschaffen. (…)
In köstlichen Sketches, Dialogen und Gesangsnummern holt das Ensemble das Beste aus der konkreten Poesie Jandls heraus. Klassiker wie «ottos mops» klopfen an, dazu kommt weniger Bekanntes. Die Produktion bewegt sich genüsslich dahin, wo sie hingehört: ins Grenzgebiet zwischen Sprache, Geräusch und Musik. (…)
Die Schauspieler - Stellensuchende, die zur Überbrückung im Kulturmarkt spielen - sind eine Wucht. Und zugleich fügt sich ihr Spiel harmonisch ins Ganze. Die Nummern fliessen ineinander über, als Übergänge dienen Assoziationen verschiedenster Natur. Die Stunde ist rasch um.“

→ Der Landbote, 22. Mai 2014:
„Inspiriert von Jandls Gedichten haben sich die Schülerinnen und Schüler des Zürcher Zurlinden-Schulhauses eigene Geräuschgedichte, Sprechchöre, Lieder und Improvisationen «aus dem wirklichen Leben» ausgedacht, die dann zu einem experimentellen Musiktheaterstück zusammenmontiert wurden. (…)
Wie der Dichter Jandl mögen Kinder das freie Spiel mit der Sprache, sofern man es ihnen nicht abgewöhnt. Dass sie wissen, wie man sie für solche Projekte begeistern kann, haben Philip Bartels und Simone Keller vom Ensemble TaG bereits mehrfach bewiesen.“

→ Kulturkritik, 15. Mai 2014:
„Die Vortragenden begnügen sich nicht damit, zu kopieren. Mit viel Humor und wohltuender Nonchalance tragen sie Reime vor, verschlucken die Vokale in Fluchworten, erklären sich die Liebe, ohne verstanden zu werden, oder erzählen die Geschichte vom qualvollen Tod von Gittis Gizzi, igitt igitt. (…)
Dichten kann also kinderleicht sein, aber es bedarf an Mut, Einfällen und Lust. All dies zeigt diese Produktion genüsslich. Dabei wird das Vorgetragene mit humorvollen Einschüben wie einer Beat-Box-Einlage eines Fünftklässlers im Beatles-T-Shirt oder einer mit grossen Gesten anrührenden Dirigentin, die kaum über das Notenpult hinaussieht, angereichert. (…)“


Programmhefttext:

Unter den Dichtern des 20. Jahrhunderts ist Ernst Jandl zweifellos einer, dessen Schaffen in vielfältiger Weise mit zeitgenössischer Musik in Verbindung steht: Seine experimentelle Lyrik, seine Sprech-, Sprach- und Geräuschgedichte hat er selbst immer wieder zusammen mit improvisierenden Musikern in unterschiedlichsten Formationen vorgetragen. Bereits 1966 arbeitete er mit dem Komponisten Ernst Kölz an der Sprechoper „Szenen aus dem wirklichen Leben“, von der Jandl fand, sie sei die „passendste Kombination von Wort und Musik: durch eine Sprache, die zur Musik, und eine Musik, die zum Wort tendiert, entsteht als ein Neues und Ganzes: Sprechmusik.“ Und – last but not least – war er Anglist und der kongeniale Übersetzer einiger Schlüsselwerke von John Cage, wie z.B. dem „Vortrag über nichts“.
1975 schreibt Ernst Jandl, selbst viele Jahre als Deutsch- und Englischlehrer tätig, seiner Verlegerin, wenn er denn überhaupt eine pädagogische Absicht verfolge, würde diese darin bestehen, „Kindern ein gewisses Gefühl für Poesie zu vermitteln, oder es in ihnen zu wecken, oder – besser noch – es ihnen zu bestätigen. […] Kindern, die für die Welt noch offen sind, sollte man zeigen, dass Gedichte etwas an Spiel und Lust enthalten, und dass auch sie Gedichte schreiben können, so wie sie zeichnen und malen, singen und musizieren“.

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